Tuesday, October 24, 2006

 
La Sierra

La Sierra ist eines der aermsten Quartiere in Medellin. "La Sierra" heisst ein Dokumentarfilm, der von einer kolumbianischen Journalistin und einem texanischen Kameramann von 2003 bis 2005 in diesem Quartier gedreht wurde. Gestern habe ich mir diesen Film angesehen.

In La Sierra tobte zu dieser Zeit ein erbitterter Krieg zwischen einer Gruppe Paramilitaers, genannt "Bloque Metro", und den Guerillias der ELN. Der Film portraetiert drei Personen aus dem Umfeld des "Bloque Metro".
Edison (22) ist der Anfuehrer des "Bloque Metro" und sozusagen der Buergermeister im von den Paramilitaers kontrollierten Teil des Quartiers. Er regelt Streitereien, hilft bei Problemen, sorgt fuer die Sicherheit und Infrastruktur. Jede Nacht geht er mit seiner Gruppe auf Patrouille. Im Dunkeln sind andauernd Schuesse zu hoeren.
Jesús (19) ist seit drei Jahren Mitglied des "Bloque Metro". Er verliess die Schule mit 15, ein halbes Jahr vor dem Abschluss. Seither konsumiert er taeglich Kokain und Mariuhana. Eine selbstgebastelte Granate zerfetzte ihm einige Monate bevor die Geschichte beginnt die linke Hand.
Cielo (16) ist Mutter einer einjaehrigen Tochter. Sie kam vor vier Jahren aus ihrem Dorf nach La Sierra nachdem ihr Vater und ihr Bruder von einer Gruppe Guerillias ermordet wurden. Der Vater ihrer Tochter war ebenfalls Mitglied des "Bloque Metro" und verlor dabei sein Leben. Cielo hat inzwischen einen neuen Freund. Auch er ist Paramilitaer und wurde vor einiger Zeit von der Polizei verhaftet. Seither verbuesst er eine mehrjaehrige Gefangnisstrafe. Jeden Sonntag besucht ihn Cielo im Gefaengnis im Zentrum von Medellin.

Die Geschichte zeigt auf erschreckende Art die Realitaet des Krieges in Kolumbien und wie wenig die offizielle Rethorik der Regierung mit den wirklichen Problemen zu tun hat. Der Krieg findet in den armen Barrios am Rand der grossen Staedte statt, die Protagonisten sind kaum aelter als 20 Jahre, die Paramilitaers, resp. Guerillias, sind bloss wilde Gruppen von einigen Dutzend Jugendlichen. Gekaempft wird um Kontrolle und Einfluss in den Quartieren, um Respekt und Prestige. Die Gewalt ist Resultat der Armut und Hoffnungslosigkeit einer Generation, die seit jeher mit dem Krieg leben musste.

Die Geschichte hat mich heute den ganzen Tag ueber beschaeftigt. Der Film ist unheimlich wichtig fuer das Verstandnis des kolumbianischen Konfliktes. Gleichzeitig ist er aber auch sehr verwirrend, weil einem bewusst wird, wie wenig sich diese Situation in Zukunft aendern wird.

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