Friday, October 27, 2006
"Chibchombia" ist eine Kombination aus "Chibcha" und "Colombia". "Chibcha" ist eine indigene Sprachfamilie und wird von den Indigenas im Norden Kolumbiens gesprochen.
Der Ausdruck "Chibchombia" wird in Kolumbien gebraucht, um auf humoristische Art und Weise alles typisch Kolumbianische zu bezeichnen.
Was mir am Castellano (oder eben "Chibchombiano") besonders gefaellt, sind all die Ausdruecke mit "Ch". Im Folgenden die ultimative Liste meiner chibchombianischen Lieblingsausdruecke:
Chicha : Maisbier
Chucha : Achselschweiss
Chicharrón : Fritierter Schweinespeck
Chimba : Eine supertolle Sache
Chino : Typ, Junge
Chucho : Uebername fuer "Jesús"
Chiviado : Gefaelscht
Chichipato : Wertlos, duerftig
Chunchulla : Fritierter Kuhdarm
Chanclas : Flip-flops
Ceviche : Eine Fischspeise
Cachucha : Baseballkappe
Chorro : Drink
Charlar : Schwatzen
Chisme : Klatsch
Chiste : Witz
Chusco : Huebsch, attraktiv
Chiguiro : Ein Tier der Llanos Orientales
Chinchorro : Haengematte
Chicle : Kaugummi
Chiva : Bus
Chivo : Ziege
Chica : Maedchen
Chiquito : Klein
Chingue : Bikini
Chupar : Lutschen
Chévere : Toll, cool
Churro : Schoen, attraktiv
Cucaracha : Kakerlake
Chicharra : Grille
Chirrinchi: Ein traditionaller Schnaps
Chuchear : Fluestern
Chiflar : Pfeifen
Chamarra : Kapuzenpullover
Chile : Fischernetz
Chacha : Maedchen
Chicho : Boese, wuetend
Chucaro : Polizist
Chimbiar : Stoeren, belaestigen
Cancha : Fussballfeld
Chancho : Schwein
Chichi : Urin
Chamba : Arbeit, Buez
Chucheria : Kleinigkeit, Kram
Chinche : Kind
Chanchullo : Krummer Handel
Chécheres : Wertloses Zeug
Cachos : Untreu sein
Conchudo : Faul, traege
Cuchuco : Maissuppe
Chumacera : Stossstange
Conchitas : Teigwaren (Farfallas)
Chimbila : Fledermaus
Cachivaches : Zeug, Kram
und zum Schluss mein absoluter Favorit:
Chichiriviche : Ort an der Karibik in Venezuela
Thursday, October 26, 2006
Armero Armero liegt 2 Autostunden noedlich von Ibagué. Frueher war die Stadt ein wichtiges Handels- und Landwirtschaftszentrum im Norden Tolimas mit ueber 40’000 Einwohnern.
Am 13. November 1985 brachte ein Vulkanausbruch die Eiskappe des Nevado de Ruiz auf
Am Ende dieses Tales, am Rande der Cordillera Central, auf
Nur wenige Minuten nach dem Vulkanausbruch wurde die ganze Stadt von der Schlammlawine begraben. Die Katastrophe forderte ueber 25’000 Todesopfer. Es ist die schlimmste Naturkatastrophe in der Geschichte Kolumbiens.
Heute leben in Armero keine Menschen mehr. Die Haeuser sind unter einer 2-
Wednesday, October 25, 2006
Juan ValdezNatuerlich habe ich gewusst, dass der beste Kaffee der Welt aus Kolumbien stammt. Und natuerlich kannte ich das beruehmte Signet der Marke "Cafe de Colombia" mit dem Señor Cafetero mit Smobrero, Poncho und der Mula (ich habe ja als Kind auch FIS-Skirennen geschaut, wo “Café de Colombia” immer das Starthaeuschen zierte…).
Ich habe aber nicht gewusst habe, dass dieser Mann "Juan Valdez" heisst und hier in Kolumbien eine bekannte Person ist. Und seine treue Mula heisst “Conchita”.
Die Figur wurde 1959 von der Federación Nacional de Cafeteros de Colombia kreiert, um den kolumbianischen Kaffee international besser zu vermarkten. Seit 1969 wird die Figur von Carlos Sánchez personifiziert.Carlos Sánchez stammt aus Fredonia, einer Ortschaft mitten im Eje Cafetero, dem Gebiet zwischen Manizales, Pereira und Armenia, wo der wunderbare kolumbianische Kaffee produziert wird.
Carlos Sánchez selber besitzt eine Finca, wo er Kaffee produziert. Er wohnt inzwischen in Medellín und ist die meiste Zeit als "Juan Valdez" unterwegs. Er reist auf der ganzen Welt herum und repraesentiert zusammen mit "Conchita" den kolumbianische Kaffee an Sportanlaessen und kulturellen Veranstaltungen. 1994 war er sogar an den Olympischen Winterspielen in Lillehammer.
Ausserdem hatten "Juan Valdez" und "Conchita" im Jahre 2003 ihren Auftritt im Hollywoodfilm "Bruce Almighty". Als sich der mit goettlichen Kraeften gesegnete Bruce Nolan (Jim Carey) im Film eine Tasse kolumbianischen Kaffee wuenscht, erscheit prompt Juan Valdez am Fenster und ueberreicht ihm den gewuenschten Kaffee...
Fernando BoteroAm letzten Samstag war ich in Bogotá. Ich besuchte das "Museo Botero" des kolumbianischen Malers und Bildhauers Fernando Botero.
Fernando Botero stammt aus Medellin. Seine Kunst ist inzwischen auf der ganzen Welt beruehmt. Kuerzlich malte er Bilder ueber die Folterungen im Gefaengnis Abu-Ghuraib im Irak.
Das Spezielle an seiner Kunst: Alle sind dick. Und zwar manchmal sehr dick. Maenner, Frauen, Kinder. Natuerlich auch die Katzen, Pferde, der Hund. Botero schafft es, sogar Bananen und Orangen ganz schoen adipoes aussehen zu lassen.
Seine Figuren sehen alle hilflos, naiv und sehr toelpelhaft aus. Wenn er den Ex-Praesidenten Pastrana oder den FARC Anfuehrer Manuel Marulanda in diesem Stil darstellt, darf man das als einen sarkastischen Beitrag zur kolumbianischen Gegenwart interpretieren.
Warum er die Welt so verfettet sieht? Laut dem Lexikon sind seine Figuren "Symbole einer degenerierten Kolonialbougeoisie".
Tuesday, October 24, 2006
La SierraLa Sierra ist eines der aermsten Quartiere in Medellin. "La Sierra" heisst ein Dokumentarfilm, der von einer kolumbianischen Journalistin und einem texanischen Kameramann von 2003 bis 2005 in diesem Quartier gedreht wurde. Gestern habe ich mir diesen Film angesehen.
In La Sierra tobte zu dieser Zeit ein erbitterter Krieg zwischen einer Gruppe Paramilitaers, genannt "Bloque Metro", und den Guerillias der ELN. Der Film portraetiert drei Personen aus dem Umfeld des "Bloque Metro".
Edison (22) ist der Anfuehrer des "Bloque Metro" und sozusagen der Buergermeister im von den Paramilitaers kontrollierten Teil des Quartiers. Er regelt Streitereien, hilft bei Problemen, sorgt fuer die Sicherheit und Infrastruktur. Jede Nacht geht er mit seiner Gruppe auf Patrouille. Im Dunkeln sind andauernd Schuesse zu hoeren.
Jesús (19) ist seit drei Jahren Mitglied des "Bloque Metro". Er verliess die Schule mit 15, ein halbes Jahr vor dem Abschluss. Seither konsumiert er taeglich Kokain und Mariuhana. Eine selbstgebastelte Granate zerfetzte ihm einige Monate bevor die Geschichte beginnt die linke Hand.
Cielo (16) ist Mutter einer einjaehrigen Tochter. Sie kam vor vier Jahren aus ihrem Dorf nach La Sierra nachdem ihr Vater und ihr Bruder von einer Gruppe Guerillias ermordet wurden. Der Vater ihrer Tochter war ebenfalls Mitglied des "Bloque Metro" und verlor dabei sein Leben. Cielo hat inzwischen einen neuen Freund. Auch er ist Paramilitaer und wurde vor einiger Zeit von der Polizei verhaftet. Seither verbuesst er eine mehrjaehrige Gefangnisstrafe. Jeden Sonntag besucht ihn Cielo im Gefaengnis im Zentrum von Medellin.
Die Geschichte zeigt auf erschreckende Art die Realitaet des Krieges in Kolumbien und wie wenig die offizielle Rethorik der Regierung mit den wirklichen Problemen zu tun hat. Der Krieg findet in den armen Barrios am Rand der grossen Staedte statt, die Protagonisten sind kaum aelter als 20 Jahre, die Paramilitaers, resp. Guerillias, sind bloss wilde Gruppen von einigen Dutzend Jugendlichen. Gekaempft wird um Kontrolle und Einfluss in den Quartieren, um Respekt und Prestige. Die Gewalt ist Resultat der Armut und Hoffnungslosigkeit einer Generation, die seit jeher mit dem Krieg leben musste.
Die Geschichte hat mich heute den ganzen Tag ueber beschaeftigt. Der Film ist unheimlich wichtig fuer das Verstandnis des kolumbianischen Konfliktes. Gleichzeitig ist er aber auch sehr verwirrend, weil einem bewusst wird, wie wenig sich diese Situation in Zukunft aendern wird.
Monday, October 23, 2006
Camilo Torres RestrepoDank Graffities und Schmiererien auf den Toiletten der Uni lerne ich etwas ueber die Geschichte Kolumbiens. Letzte Woche las ich folgende Sprueche: "Pesamiento Camilista" und "Camilo Torres, 40 años".
Ich fragte nach und bekam die Geschichte von Camilo Torres zu hoeren...
Camilo Torres Restrepo wurde 1929 als Sohn einer buergerlichen Familie in Bogota geboren. Er wuchs in privilegierten Verhaeltnissen auf und besuchte die besten Schulen der Hauptstadt. Er studierte Theologie am Seminario Conciliar de Bogotá und wurde 1954 katholischer Priester. 1956 ging er nach Belgien und studierte Soziologie an der Katholischen Unversitaet in Luettich.
1959 kehrte er nach Kolumbien zurueck und wurde Professor an der Universidad Nacional de Bogotá. Er erkannte die schlimme Situation vieler Kolumbianer und gruendete das Movimiento Universitario de Promoción Comunal, eine Organisation zur Verbesserung der Lebenbedingungen in den Slums von Bogota. Ebenfalls setzte er sich fuer Reformen in der katholischen Kirche ein. Nachdem er eine Messe auf Spanisch anstatt auf Lateinisch hielt, wurde er vom Erzbischof von Bogotá gezwungen, von seiner Professur zurueckzutreten.
Er fuehrte sein soziales Engagement fort. Zudem publizierte er Schriften an das kolumbianische Volk, in denen er die sozialen Missstaende und die Gewalt des Staates und der herrschenden Klasse am Volk anprangerte. In den Schriften forderte er die Campsinos, Arbeiter und Studenten zum Widerstand gegen den Staat auf.
Im Juli 1965 nahm er Kontakt mit Fabio Vazquez Castaño, dem Anfuehrer des Ejército de Liberación Nacional (ELN), auf. Die ELN Guerillia wurde 1964 nach Vorbild der kubanischen M-26 Guerillia gegruendet.
Er half mit, die Ideologie und Struktur der ELN zu entwickeln. Im September 1965 entschied er sich, seine Taetigkeit als katholischer Priester aufzugeben und schloss sich als Guerilla der ELN an, um fortan mit Waffen gegen den Staat zu kaempfen.
Am 15. Februar 1966, in einer der ersten Aktionen der ELN gegen die kolumbianische Armee, wurde Camilo Torres getoetet. Er wurde an einem unbekannten Ort im Departament Santander begraben.
Die ELN fuerte ihren Kampf nach dem Tod Camilo Torres' weiter. Bis Ende der 90er Jahren war sie eine der einflussreichsten Guerilliagruppen in Kolumbien. Camilo Torres bleibt bis heute eines der Vorbilder fuer die Studentenbewegungen in Kolumbien.
Friday, October 20, 2006
Was man nicht alles verkaufen kann... Im letzten Jahr machte die Geschichte von einem Englaender die Runde, der eine Internetseite aufschaltete und dann jedes einzelne Pixel des Bildschirms verkaufte und dabei Millionaer geworden ist. Dass es ausserdem Leute gibt, die Grundstuecke auf dem Mond verkaufen, ist bereits allgemein bekannt.
In Kolumbien jedoch wird Zeit verkauft. An jeder Strassenecke gibt es "minutos" zu kaufen... Eine Minute kostet normalerweise 200 Pesos.
Die Erklaerung dieses Phaenomens: In Kolumbien gibt es drei Mobiltelefon-Anbieter. Es ist aber so, dass Anrufe zu einer Nummer eines anderen Anbieters sehr viel teurer sind als innerhalb des selben Anbieters. Wenn man nun jemanden anrufen will, der einen anderen Anbieter hat, ist es von Vorteil, wenn man dies von einem Handy mit der selben Vorwahl tut. Deshalb gibt es Leute, die sich bei allen drei Unternehmen anmelden und dann "minutos" verkaufen. Sie stehen den ganzen Tag auf der Strasse, die Handys in einer Tasche und rufen "minutos, minutos..." wenn man vorbeilaeuft.
Es gibt auch Studenten, die sich zusammentun und zu dritt sozusagen ein Kleinstunternehmen bilden (wobei jeder natuerlich einen anderen Anbieter haben muss). Wenn sie frei haben, setzen sie sich beim Eingang der Uni hin, stellen ein Kartonschild auf die Strasse, worauf "minutos $200" steht und arbeiten ein paar Stunden indem sie Minuten verkaufen. Damit verdienen sie sich ihr Sackgeld fuer das Studium.
Man geht nun also zu so einer lebenden Telefonzelle, sagt ihm die Nummer, er zueckt das richtige Handy, man telefoniert, zahlt, "muchas gracias" und tschau...
Wer in Kolumbien wieder einmal knapp bei Kasse ist, veranstaltet eine "rifa" (rifa = Verlosung). Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich begriffen hatte, was eine "rifa" ist. Die Idee ist aber sehr einfach. Hier ein Erklaerungsversuch...
Zuerst kauft der Veranstalter der "rifa" die Lose. Meistens 100 Stueck, jedes mit einer Nummer. Dann braucht man einen Preis. Das Spektrum moeglicher Preise ist erstaunlich breit. Angefangen bei einem Poulet ("pollo"), ueber eine Flasche Rum, eine Kiste Bier, einen Haarfoehn oder einfach Geld ist alles moeglich.
Anschliessend bestimmt man ein Datum, an welchem der Preis verlost wird. Als Gluecksfee dient meist die offizielle Lotterie des Departementes Tolima. Die 2 letzten Ziffern der Lotterie betimmen das Gewinnlos.
Dann muss man die Lose verkaufen. Das ist der Hauptteil der Arbeit. Freunde, Bekannte, egal wer, alle muessen nun gefragt werden, ob sie "rifas" kaufen wollen. Normalerweise kostet ein Los 1000 Pesos (50 Rappen). Am Stichtag wird dann der Gewinner bestimmt. Der glueckliche bekommt dann ein gebratenes Poulet ueberreicht (oder eben eine Kiste Bier...)!
Der Sinn dieser Uebung: Dank den Einnahmen der "rifa" fliesst ein bisschen Geld in die leeren Taschen...
Wednesday, October 18, 2006
Glyphosat (oder RoundUp) ist eine Chemikalie. Das Mittel wird von der US-amerikanischen Firma Monsanto hergestellt und ist ein hochgiftiges Pflanzenvernichtungsmittel, ein sogenanntes Totalherbizid. Glyphosat ist aber zugleich Symbol fuer etwas vom Bedenklichsten und Traurigsten, was im Moment in Kolumbien geschieht.
Seit sechs Jahren laesst die kolumbianische Regierung im Rahmen des "Plan Colombia" im ganzen Land Cocaplantagen mit Glyphosat bespruehen. Das Mittel wird von Flugzeugen systematisch ueber ganze Landstriche verteilt. Die Maschinen fliegen im Teifflug ueber die Fincas und bespruehen die Cocafelder.
Finanziert wird das Projekt von den USA. Die Flugzeuge stammen aus den USA, die Piloten ebenfalls, das Gift ebenfalls.
Die Opfer jedoch stammen aus Kolumbien. Gleichzeitig mit den Cocapflanzen trifft das Gift die Bananenstraeucher, die Yuccafelder, die Mangobaeume und zerstoert so die Lebensgrundlage der Campesinos in den armen und abgelegenen Regionen des Landes. Das Programm hat viele Campesinos dazu gezwungen, ihre Fincas zu verlassen. Sie koennen von ihrem Land nicht mehr leben. Die "desplazados" wandern in die Staedte und bilden sogenannte "invasiones", unbewilligte Behausungen am Stadtrand, wo die Fluechtlinge sich niederlassen. Auch hier in Ibague gibt es solche Quartiere.
Ausserdem ist es erwiesen, dass Glyphosat zu schweren Krankheiten und Missbildungen bei Neugeborenen fuehrt. Die Bewohner der Fincas sind der Mittel oft direkt ausgesetzt oder nehmen es via Nahrungsmittel und Trinkwasser auf.
Trotzdem fuehrt die kolumbianische Regierung die Bespruehungen fort.
Wegen dem erhoehten Druck der Regierung wird vermehrt Coca in abgelegenen Regionen und in den Nationalpaerken angebaut. Ich habe einen Bericht gelesen von Bespruehungen in "Parque Nacional de la Macarena". Die Regierung besprueht im Rahmen des "Plan Colombia" die eigenen Nationalpaerke...
Das Programm ist aber ein Misserfolg. Die Gesamtflaeche der Cocaplantagen ist in den letzten Jahren nicht zurueckgegangen.
Tuesday, October 17, 2006
Die Kolumbianer haben die tolle Angewohnheit, ihre besten Kollegen nicht mit dem Vornamen, sondern schlicht mit "marica" oder "huevón" anzureden. Beides sind auesserst respektvolle und hoefliche Begriffe: "marica" heisst soviel wie "Schwuchtel" oder "Schwuler", "huevón" ist die Steigerunsform von "huevo" und bedeutet demnach in etwa "Riesenhode" oder laut meinem Woerterbuch schlichtwegs "Arschloch".
Die beiden Ausdruecke gehoeren zu den meistgebraucheten Woertern im Vokabular der Kolumbianer. Wo immer man sich aufhaelt, auf der Strasse, im Restaurant, in der Bar, man wird mit ziemlicher Sicherheit Zeuge einer froehlichen Konversation, wo jeder Satz mit "marica" oder "huevón" anfaengt.
Dass dazu dann immer die Hoeflichkeitsform mit "usted" gebraucht wird, finde ich besonders logisch...
Der Schluessel zum wirtschaftlichen Erfolg eines Busunternehmens in Kolumbien scheint ein moeglichst langer und komplizierter Namen zu sein, bestehend aus einer moeglichst wilden Kombination aus mindestens drei verschiedenen Begriffen, die mit Transport, Qualitaet und Kolumbien zu tun haben.
In den Strassen von Ibague habe ich folgende Wortkreationen gesehen (mit der jeweiligen Inperpretation meinerseits): Cootranstol (Cooperativa, Transporte, Tolima), Cotrautol (Cooperativa, Transporte, Auto, Tolima), Cointrasur (Cooperativa, Integro, Transporte, Sur), Cootransfusa (Cooperativa, Transporte, Fusa = Bus) und zuletzt Cootransrio (Cooperativa, Transporte, Rio).
Dass alle mit "Co..." anfangen, dient wohl dazu, dass man noch weniger drauskommt. Aber egal welcher Name, haarstraeubend gefaehrlich fahren alle...
Thursday, October 12, 2006
El Tamal"El Tamal" ist die grosse kulinarische Spezialitaet der Region Tolima. Ein Tamal besteht aus einer Mischung aus Kartoffeln, Yuccas, Arvejas, Platanos, Ei, Poulet- und Kalbsfleisch. Das Ganze wird dann in ein grossen Bananenblatt eingehuellt und im Wasser gekocht. Das Blatt gibt dem Tamal einen wunderbaren Geschmack!
Das spezielle am Tamal ist, dass men ihn nur am Wochenende erhalten kann. Waehrend der Woche gibt es sie nicht. Am Freitag jedoch wird
bereits zum Fruehstueck Tamal gegessen.
Viele Leute verkaufen die Tamale direkt in ihrem Haus. Und wie weiss man, in welchen Hausern es Tamale zu kaufen gibt? Ganz einfach: Die Frauen haengen einfach ein Bananenblatt vor dem Haus auf und wer hungerig ist, muss einfach nach solch einer Bananenfahne Ausschau halten!
Tuesday, October 10, 2006
Der Krieg in Kolumbien hat auch seine kuriosen Seiten. So zum Beispiel diese Geschichte aus dem Jahre 2003, die den Stoff lieferte fuer einen Film, der im Moment hier in den Kinos laeuft: Sonar no cuesta nada - Traeumen kostet nichts.
Im April 2003 entdeckt eine Einheit der Kolumbianischen Armee im Dschungel der Provinz Caqueta ein verlassenes Camp der Guerilla. Im Urwaldboden haben die Guerilleros Geld versteckt. Die Soldaten stossen auf eine "guaca" im Wert von ungefaehr 40 Millionen US Dollar. Faesser voller 100 Dollar Scheinen, vergraben im Urwaldboden.
Es ist allgemein bekannt, dass die FARC Rebellen ueber unheimliche Geldreserven verfuegen. Das Geld stammt zum groessten Teil aus dem Drogenhandel. Es kommt vor, dass die Guerilleros keine Zeit oder keine Fahrzeuge haben, um alles Geld mitzunehmen, wenn sie gezwungen sind ihre Camps zu verlassen.
Das Ejercito findet dann jeweils das zurueckgelassene Geld. Die Einheiten sind verpflichtet, den Fund zu melden. Das Geld gehoert offiziell dem Staat.
Im Film entscheiden sich die Soldaten und ihre Vorgesetzten aber, nichts von der "guaca" zu sagen. Die Soldaten, welche knapp 200 Dollar im Monat verdienen, fuellen sich die Rucksaecke mit Geld. Ploetzlich sind die Jungs aus den armen Quartieren allesamt steinreich, jedoch im Urwald, weitab von der Zivilisation. Dies fuehrt zu einigen amuesanten Szenen... So bezahlt einer im Camp 500 Dollar fuer eine Rolle WC-Papier oder dann kauft einer fuer 1000 Dollar seinem Kollegen einen Taschenradio ab. Als kein Papier da ist, um Feuer zu machen, zieht jeder ein Haufen Scheine aus der Tasche und wirft sie in die Glut...
Es gelingt ihnen schliesslich, das Geld aus dem Urwald zu bringen. Kaum zurueck in der Zivilisation, fangen sie an, das Geld zu verprassen. Als jedoch wenig spaeter einige der Soldaten mit fabrikneuen Gelaendewagen und anderen Luxusartikeln zum Dienst einruecken, fliegt der Coup auf. Nur einigen wenigen gelingt es, etwas von dem Schatz zu verstecken.
In diesem Sommer fand der Prozess gegen die involvierten Soldaten statt. 53 Soldaten wurden verurteilt und muessen ins Gefaengnis.
Friday, October 06, 2006
NO TLCTLC steht fuer "Tratado de libre comercio" und ist der neueste Coup der Regierung Uribe. Alvaro Uribe, dicker Freund des US-Praesidenten Bush, steht seit 2002 an der Spitze einer stramm rechten, neoliberalen Regierung.
Die USA ist seit Jahren aktiv in den kolumbianischen Konflikt involviert. Im Rahmen des "Plan Colombia" zahlten die USA zuletzt ueber 800 Millionen Dollar pro Jahr im Kampf gegen den Anbau und Handel von Drogen. Der weitaus groesste Teil dieses Geldes wird jedoch fuer Waffen und den Krieg gegen die Guerillia ausgegeben.
Nun ist es fuer die USA an der Zeit, endlich von diesem Engagement zu profitieren. Und weil die Regierung hier ja sowieso alles macht, was man in Washington will, war es keine schwierige Aufgabe, ein Abkommen auszuhandeln, bei dem vor allem eine Seite profitiert - die USA.
Im Dezember 2005 unterzeichnete die kolumbianische Regierung das TLC-Abkommen mit den USA. Damit erhalten die US-amerikanischen Konzerne erleichterten Zugang zum kolumbianischen Markt und zu den kolumbianischen Ressourcen. Kolumbien ist gezwungen, US-amerikanische Produkte zu importieren.
Somit werden die Kolumbianer in Zukunft zum Beispiel Fleisch aus den USA essen (welches sogar die gleiche Qualitaet haben werde, wie das Fleisch, welches die Amis essen, wie die Regierung auf der Homepage stolz verkuendet).
In der Uni und in der Stadt sieht man ueberall Zeichen des Protestes gegen dieses unsinnige Abkommen. Viele Studenten engagieren sich aktiv gegen das TLC, organisieren Kundgebungen und Protestaktionen. Nuetzen wird es nichts, aber es tut gut zu sehen, dass es Leute gibt, die dagegen sind!
Wenn ich mit meinen Freunden ueber Fussball spreche, dann erzaehlen sie mir von den drei legendaeren Momenten des kolumbianischen Fussballs.
1. CCCP = Contra Colombia Casi Perdimos
An der WM 1962 in Chile spielte die Nationalmannschaft gegen die UdSSR. Das Spiel endete 4:4. Dieses Unentschieden blieb lange Zeit der groesste Erfolg der kolumbianischen Mannschaft und der Stolz der Leute. Darum auch der Spruch: CCCP = Contra Colombia Casi Perdimos.
2. Argentinien - Kolumbien 0:5
In der Qualifikation zur WM 1994 in den USA gewann die Nationalmannschaft gegen Argentinien in Buenos Aires 0:5. Dies ist der hoechste und bedeutendste Sieg in der Geschichte der kolumbianischen Fussballnationalmannschaft und gleichzeitig der Hoehepunkt der "Goldenen Fussballgeneration" mit Carlos Valderrama, Rene Higuita, Faustino Asprilla usw. Nach dem Spiel seien die Leute auf die Strasse geeilt und haetten die ganze Nacht gefeiert. Auch von offizieller Seite wurde dieser Erfolg gewuerdigt: Der Praesident erklaerte den darauf folgenden Montag zu einem Feiertag!
3. El Escorpión
Der beruehmteste und erstaunlichste Moment ist aber "El Escorpión". Am 6. September 1995 spielte Kolumbien im Wembley Stadion ein Freundschaftsspiel gegen England. In der 22 Minute parierte der kolumbianische Goalie Rene Higuita einen Weitschuss des Englaenders Jamie Redknapp indem er sich vornueber struerzte und den Ball blind mit den Fersen abwehrte. Damit sicherte sich Rene Higuita seinen Platz in den Geschichtsbuechern Kolumbiens und ist seither DAS Symbol fuer die suedamerikanische Spielfreude und Kreativitaet auf dem Fussballplatz.Unter "www.youtube.com/watch?v=6i1oRDsLo0s&mode=related&search=higuita" findet ihr ein Video davon...
Thursday, October 05, 2006
Sancocho con polloDie Suppe im Vordergrund, das ist Sancocho. Eine traditionelle Speise in Kolumbien. Sancocho wird in einem grossen Topf auf dem Feuer zubereitet. Zuerst wird Wasser gekocht, dann werden nacheinander Kartoffeln, Platanos, Guineos, Yuccas und Mais in grossen Stuecken hinzugefuegt. Am Schluss kommt entweder ein Poulet (Sancocho con pollo) oder Fisch (Sancocho con pescado) dazu.
Eine beliebte Sonntagsbeschaeftigung der Kolumbianer ist ein Ausflug an einen nahegelegenen Fluss, wo man baden kann. Traditionellerweise wird dann Sancocho zubereitet und gegessen.
Tour zum Nevado del TolimaIch war die letzten 3 Tage in den Bergen. Leider haben wir es aber nicht bis zum Gipfel geschafft. Wir hatten sehr schlechtes Wetter und waren darum gezwungen, 500 Meter unter dem Gipfel umzukehren. Es war aber
trotzdem ein tolles Erlebnis...
Am Freitag sind wir um 6 Uhr morgens mit einem Jeep aus Ibague losgefahren. Yovany ist einer meiner Schueler im Franzkurs. Er hat mir vor ein paar Wochen angeboten, mit mir die Tour zu machen. Sein Kollege Jesus kam auch mit. Er ist ein toller Typ und ich bin froh, dass ich mit den beiden die Tage zusammen sein konnte.
Zuerst wurden wir bis auf 2600 Meter hinaufgekarrt, wo die Strasse
endet. Danach wanderten wir zuerst eine Stunde lang durch ein Tal, bevor
die Steigung begann. In ca. 5 Stunden stiegen wir bis auf 4000 Meter, wo
wir campierten. Trotz der Hoehe war es recht angenehm. Wir kochten und
ruhten uns aus. In der Nacht war es ziemlich kalt. Ich schlief aber sehr
gut, mit der Hoehe hatte ich zum Glueck keine Probleme.
Um 1 Uhr morgens standen wir auf, assen etwas und um 2 Uhr liefen wir
los in Richtung Gipfel. Am Anfang ging es sehr gut. Es war sehr
eindruecklich, bei voelliger Dunkelheit durch diese karge Bergwelt zu
wandern. Man laeuft einfach bergauf, sieht aber nicht wohin. Um 5 Uhr,
auf ca. 4600 Meter schlug ploetzlich das Wetter um. Innert kuerzester
Zeit waren wir von Nebel eingehuellt und spaeter blies ein kraeftiger
Wind vom Gipfel herunter. Meine beiden Kollegen meinten, es sei so nicht
moeglich, den Gipfel zu erreichen. Wir setzten uns hinter einen grossen
Stein, um uns vor dem Wind zu schuetzten und warteten, in der Hoffnung,
dass da Wetter bald besser wird. Doch in dieser Kaelte haelt man es
nicht lange ohne Bewgung aus. Nach 10 Minuten entschieden wir,
abzusteigen. Kaum 100 Meter weiter unten war es schon wieder windstill
und warm, und niemand haette gedacht, dass es wieter ober derart
schwierig ist. So ist es halt in den Bergen, das Wetter ist sehr
unberechenbar.
Also stiegen wir wieder ab und um 7 Uhr waren wir zurueck beim Zelt. Wir
krochen wieder in den Schlafsack und schliefen bis am Mittag. Danach
kochten wir etwas und weil es schon zu spaet war, um abzusteigen,
verbrachten wir den ganzen Tag im Zelt. Das Wetter blieb schlecht und es
waere sehr schwierig gewesen, an diesem Tag den Gipfel zu erreichen.
Am Sonntagmorgen schien dann die Sonne, und endlich sah ich auch den
Gipfel des Nevado del Tolima. Wenigstens das!
Wir packten unser Zeugs zusammen und machten uns auf den Weg nach unten.
Durch dicken Regenwald, eingehuellt in Nebel, liefen wir zurueck zum
Ausgangpunkt. Nach einer abenteuerlichen Busfahrt kamen wir gestern um 6
Uhr wieder in Ibague an.