Monday, May 28, 2007
The Empire in the Andes: The war against the poor
Plan Colombia: Guerra Anti-Drogas o Pro-Petróleo?
Sie sind frei und in voller Länge auf dem Internet zugänglich.
Eigentlich ist Kolumbien ja ein viel zu schönes und viel zu normales Land, um immer nur über diesen elenden Krieg und die Drogen zu sprechen. Aber wenn die wahren Ursachen und Zusammenhänge der Krise so klar präsentiert werden wie in diesen beiden Filmen (die haarsträubende Politik des Präsidenten Uribe, der privatisierte Krieg der USA), lohnt es sich hinzuschauen, finde ich!
Und bitte hört gut zu (schaut nicht nur auf die Bilder...), die Analysen von Adam Isaacson und dem wunderbaren Noam Chomsky sind wirklich eindrücklich.
Warum ich das schreibe? Laut der kolumbianischen Zeitung "El Tiempo" sind in den letzten Wochen wieder über 7000 Personen von den Paramilitärs, der kolumbianischen Armee und den FARC-Guerillas im Süden Kolumbiens aus ihren Dörfern und von ihren Fincas vertrieben worden. Die kolumbianische Regierung und die USA kümmert das natürlich nichts. Den Rest der Welt und viele, viele Kolumbianer kümmert's leider genau so wenig!
Und zum Schluss, nicht vergessen: "No a la fumigación, abajo con el glyphosato, que lo tomen los norte-americanos!" :-)
Bericht zur Lage in Nariño: Kolumbien-aktuell, 12. April 2007
Wednesday, November 01, 2006
El pibe de mi barrioCarlos Valderrama ist der groesste Fussballheld der Kolumbianer. Er fuehrte die Nationalmannschaft 1990 und 1994 an die Weltmeisterschaft und war an einigen der groessten Erfolge des kolumbianischen Fussballs beteiligt. In seiner Heimatstadt Santa Marta steht eine 6 Meter hohe Bronzestatue von ihm. Zudem ist er Besitzer der wahrscheinlich geilsten Frisur, die jemals gruenen Rasen betreten hat.
Fuer die Kolumbianer ist Carlos Valderrama bloss "El pibe". "El pibe" bedeutet "Knabe, Junge".
In Kolumbien spielt man "micro-futbol". Das Spielfeld ist klein bis sehr klein, die Unterlage Erde oder Asphalt, der Ball schlecht gepumpt, das Tempo horrend, die Tricks atemberaubend und geschossen wird wie wild aus allen Lagen.
Klar also, dass jeder Halbwuechsige, der am Sonntagnachmittag auf den staubigen "canchas de micro" fuer Aufsehen sorgt, sofort zum "pibe del barrio" wird.
Dr. Krapula ist eine Ska-Band aus Ibagué. Sie haben ein Lied: "El pibe de mi barrio". Der Videoclip dazu wurde hier in Ibagué aufgenommen. Die Siegesfeier am Schluss des Videos mit dem "roscón con gaseosa" findet vor der "Panaderia Mi Tolima" statt...
Schaut euch das Video an: www.youtube.com/watch?v=WbZHjXO-lKg&mode=related&search=
Donde la Mona...La Mona ist Besitzerin eines Imbissstandes beim Stadion. In ihrem Sortiment fuehrt sie: Empanadas, Pasteles, Bofé, Relleno, Chicharron und Masato. Alles sehr lecker! Die Mona hat mich hier in Ibagué fast taeglich ernaehrt...
Um 18 Uhr bin ich mit der Arbeit fertig. Das uebliche Abendprogramm ist dann wie folgt: Meinen Freund Hector anrufen. Fragen ob er Hunger hat. Fragen ob er zu der Mona gehen will. Danach mit Hector zu der Mona gehen, denn Hector hat immer Hunger. Mit der Mona schwatzen und ihr sagen, dass die Pasteles jeden Tag kleiner werden. Danach Pasteles und Bofé essen, dazu Masato trinken. Danach die Ñapa bestellen und wenn die Mona nicht hinschaut, ihr ein Stueck Bofé klauen. Danach bezahlen und sich von der Mona verabschieden.
Ich mag die Mona sehr! Die Mona hat ein gutes Geschaeft, sie arbeitet hart, ist aufrichtig und zufrieden und hat Humor...
Chibchombia-Fress-Glossary:
Empanadas: Taschen aus Maisteig, mit Reis, Bohnen, Fleisch und Kartoffeln gefuellt.
Pasteles: Wie Empanadas, aber mit Ei.
Bofé: Fritierte Kuhlunge
Relleno: Blutwurst mit Reis und Bohnen drin
Chicharron: Fritierte Schweinehaut
Masato: Getraenk aus Mais
Ñapa: Gratis-Zugabe beim Masato
Friday, October 27, 2006
"Chibchombia" ist eine Kombination aus "Chibcha" und "Colombia". "Chibcha" ist eine indigene Sprachfamilie und wird von den Indigenas im Norden Kolumbiens gesprochen.
Der Ausdruck "Chibchombia" wird in Kolumbien gebraucht, um auf humoristische Art und Weise alles typisch Kolumbianische zu bezeichnen.
Was mir am Castellano (oder eben "Chibchombiano") besonders gefaellt, sind all die Ausdruecke mit "Ch". Im Folgenden die ultimative Liste meiner chibchombianischen Lieblingsausdruecke:
Chicha : Maisbier
Chucha : Achselschweiss
Chicharrón : Fritierter Schweinespeck
Chimba : Eine supertolle Sache
Chino : Typ, Junge
Chucho : Uebername fuer "Jesús"
Chiviado : Gefaelscht
Chichipato : Wertlos, duerftig
Chunchulla : Fritierter Kuhdarm
Chanclas : Flip-flops
Ceviche : Eine Fischspeise
Cachucha : Baseballkappe
Chorro : Drink
Charlar : Schwatzen
Chisme : Klatsch
Chiste : Witz
Chusco : Huebsch, attraktiv
Chiguiro : Ein Tier der Llanos Orientales
Chinchorro : Haengematte
Chicle : Kaugummi
Chiva : Bus
Chivo : Ziege
Chica : Maedchen
Chiquito : Klein
Chingue : Bikini
Chupar : Lutschen
Chévere : Toll, cool
Churro : Schoen, attraktiv
Cucaracha : Kakerlake
Chicharra : Grille
Chirrinchi: Ein traditionaller Schnaps
Chuchear : Fluestern
Chiflar : Pfeifen
Chamarra : Kapuzenpullover
Chile : Fischernetz
Chacha : Maedchen
Chicho : Boese, wuetend
Chucaro : Polizist
Chimbiar : Stoeren, belaestigen
Cancha : Fussballfeld
Chancho : Schwein
Chichi : Urin
Chamba : Arbeit, Buez
Chucheria : Kleinigkeit, Kram
Chinche : Kind
Chanchullo : Krummer Handel
Chécheres : Wertloses Zeug
Cachos : Untreu sein
Conchudo : Faul, traege
Cuchuco : Maissuppe
Chumacera : Stossstange
Conchitas : Teigwaren (Farfallas)
Chimbila : Fledermaus
Cachivaches : Zeug, Kram
und zum Schluss mein absoluter Favorit:
Chichiriviche : Ort an der Karibik in Venezuela
Thursday, October 26, 2006
Armero Armero liegt 2 Autostunden noedlich von Ibagué. Frueher war die Stadt ein wichtiges Handels- und Landwirtschaftszentrum im Norden Tolimas mit ueber 40’000 Einwohnern.
Am 13. November 1985 brachte ein Vulkanausbruch die Eiskappe des Nevado de Ruiz auf
Am Ende dieses Tales, am Rande der Cordillera Central, auf
Nur wenige Minuten nach dem Vulkanausbruch wurde die ganze Stadt von der Schlammlawine begraben. Die Katastrophe forderte ueber 25’000 Todesopfer. Es ist die schlimmste Naturkatastrophe in der Geschichte Kolumbiens.
Heute leben in Armero keine Menschen mehr. Die Haeuser sind unter einer 2-
Wednesday, October 25, 2006
Juan ValdezNatuerlich habe ich gewusst, dass der beste Kaffee der Welt aus Kolumbien stammt. Und natuerlich kannte ich das beruehmte Signet der Marke "Cafe de Colombia" mit dem Señor Cafetero mit Smobrero, Poncho und der Mula (ich habe ja als Kind auch FIS-Skirennen geschaut, wo “Café de Colombia” immer das Starthaeuschen zierte…).
Ich habe aber nicht gewusst habe, dass dieser Mann "Juan Valdez" heisst und hier in Kolumbien eine bekannte Person ist. Und seine treue Mula heisst “Conchita”.
Die Figur wurde 1959 von der Federación Nacional de Cafeteros de Colombia kreiert, um den kolumbianischen Kaffee international besser zu vermarkten. Seit 1969 wird die Figur von Carlos Sánchez personifiziert.Carlos Sánchez stammt aus Fredonia, einer Ortschaft mitten im Eje Cafetero, dem Gebiet zwischen Manizales, Pereira und Armenia, wo der wunderbare kolumbianische Kaffee produziert wird.
Carlos Sánchez selber besitzt eine Finca, wo er Kaffee produziert. Er wohnt inzwischen in Medellín und ist die meiste Zeit als "Juan Valdez" unterwegs. Er reist auf der ganzen Welt herum und repraesentiert zusammen mit "Conchita" den kolumbianische Kaffee an Sportanlaessen und kulturellen Veranstaltungen. 1994 war er sogar an den Olympischen Winterspielen in Lillehammer.
Ausserdem hatten "Juan Valdez" und "Conchita" im Jahre 2003 ihren Auftritt im Hollywoodfilm "Bruce Almighty". Als sich der mit goettlichen Kraeften gesegnete Bruce Nolan (Jim Carey) im Film eine Tasse kolumbianischen Kaffee wuenscht, erscheit prompt Juan Valdez am Fenster und ueberreicht ihm den gewuenschten Kaffee...
Fernando BoteroAm letzten Samstag war ich in Bogotá. Ich besuchte das "Museo Botero" des kolumbianischen Malers und Bildhauers Fernando Botero.
Fernando Botero stammt aus Medellin. Seine Kunst ist inzwischen auf der ganzen Welt beruehmt. Kuerzlich malte er Bilder ueber die Folterungen im Gefaengnis Abu-Ghuraib im Irak.
Das Spezielle an seiner Kunst: Alle sind dick. Und zwar manchmal sehr dick. Maenner, Frauen, Kinder. Natuerlich auch die Katzen, Pferde, der Hund. Botero schafft es, sogar Bananen und Orangen ganz schoen adipoes aussehen zu lassen.
Seine Figuren sehen alle hilflos, naiv und sehr toelpelhaft aus. Wenn er den Ex-Praesidenten Pastrana oder den FARC Anfuehrer Manuel Marulanda in diesem Stil darstellt, darf man das als einen sarkastischen Beitrag zur kolumbianischen Gegenwart interpretieren.
Warum er die Welt so verfettet sieht? Laut dem Lexikon sind seine Figuren "Symbole einer degenerierten Kolonialbougeoisie".
Tuesday, October 24, 2006
La SierraLa Sierra ist eines der aermsten Quartiere in Medellin. "La Sierra" heisst ein Dokumentarfilm, der von einer kolumbianischen Journalistin und einem texanischen Kameramann von 2003 bis 2005 in diesem Quartier gedreht wurde. Gestern habe ich mir diesen Film angesehen.
In La Sierra tobte zu dieser Zeit ein erbitterter Krieg zwischen einer Gruppe Paramilitaers, genannt "Bloque Metro", und den Guerillias der ELN. Der Film portraetiert drei Personen aus dem Umfeld des "Bloque Metro".
Edison (22) ist der Anfuehrer des "Bloque Metro" und sozusagen der Buergermeister im von den Paramilitaers kontrollierten Teil des Quartiers. Er regelt Streitereien, hilft bei Problemen, sorgt fuer die Sicherheit und Infrastruktur. Jede Nacht geht er mit seiner Gruppe auf Patrouille. Im Dunkeln sind andauernd Schuesse zu hoeren.
Jesús (19) ist seit drei Jahren Mitglied des "Bloque Metro". Er verliess die Schule mit 15, ein halbes Jahr vor dem Abschluss. Seither konsumiert er taeglich Kokain und Mariuhana. Eine selbstgebastelte Granate zerfetzte ihm einige Monate bevor die Geschichte beginnt die linke Hand.
Cielo (16) ist Mutter einer einjaehrigen Tochter. Sie kam vor vier Jahren aus ihrem Dorf nach La Sierra nachdem ihr Vater und ihr Bruder von einer Gruppe Guerillias ermordet wurden. Der Vater ihrer Tochter war ebenfalls Mitglied des "Bloque Metro" und verlor dabei sein Leben. Cielo hat inzwischen einen neuen Freund. Auch er ist Paramilitaer und wurde vor einiger Zeit von der Polizei verhaftet. Seither verbuesst er eine mehrjaehrige Gefangnisstrafe. Jeden Sonntag besucht ihn Cielo im Gefaengnis im Zentrum von Medellin.
Die Geschichte zeigt auf erschreckende Art die Realitaet des Krieges in Kolumbien und wie wenig die offizielle Rethorik der Regierung mit den wirklichen Problemen zu tun hat. Der Krieg findet in den armen Barrios am Rand der grossen Staedte statt, die Protagonisten sind kaum aelter als 20 Jahre, die Paramilitaers, resp. Guerillias, sind bloss wilde Gruppen von einigen Dutzend Jugendlichen. Gekaempft wird um Kontrolle und Einfluss in den Quartieren, um Respekt und Prestige. Die Gewalt ist Resultat der Armut und Hoffnungslosigkeit einer Generation, die seit jeher mit dem Krieg leben musste.
Die Geschichte hat mich heute den ganzen Tag ueber beschaeftigt. Der Film ist unheimlich wichtig fuer das Verstandnis des kolumbianischen Konfliktes. Gleichzeitig ist er aber auch sehr verwirrend, weil einem bewusst wird, wie wenig sich diese Situation in Zukunft aendern wird.
Monday, October 23, 2006
Camilo Torres RestrepoDank Graffities und Schmiererien auf den Toiletten der Uni lerne ich etwas ueber die Geschichte Kolumbiens. Letzte Woche las ich folgende Sprueche: "Pesamiento Camilista" und "Camilo Torres, 40 años".
Ich fragte nach und bekam die Geschichte von Camilo Torres zu hoeren...
Camilo Torres Restrepo wurde 1929 als Sohn einer buergerlichen Familie in Bogota geboren. Er wuchs in privilegierten Verhaeltnissen auf und besuchte die besten Schulen der Hauptstadt. Er studierte Theologie am Seminario Conciliar de Bogotá und wurde 1954 katholischer Priester. 1956 ging er nach Belgien und studierte Soziologie an der Katholischen Unversitaet in Luettich.
1959 kehrte er nach Kolumbien zurueck und wurde Professor an der Universidad Nacional de Bogotá. Er erkannte die schlimme Situation vieler Kolumbianer und gruendete das Movimiento Universitario de Promoción Comunal, eine Organisation zur Verbesserung der Lebenbedingungen in den Slums von Bogota. Ebenfalls setzte er sich fuer Reformen in der katholischen Kirche ein. Nachdem er eine Messe auf Spanisch anstatt auf Lateinisch hielt, wurde er vom Erzbischof von Bogotá gezwungen, von seiner Professur zurueckzutreten.
Er fuehrte sein soziales Engagement fort. Zudem publizierte er Schriften an das kolumbianische Volk, in denen er die sozialen Missstaende und die Gewalt des Staates und der herrschenden Klasse am Volk anprangerte. In den Schriften forderte er die Campsinos, Arbeiter und Studenten zum Widerstand gegen den Staat auf.
Im Juli 1965 nahm er Kontakt mit Fabio Vazquez Castaño, dem Anfuehrer des Ejército de Liberación Nacional (ELN), auf. Die ELN Guerillia wurde 1964 nach Vorbild der kubanischen M-26 Guerillia gegruendet.
Er half mit, die Ideologie und Struktur der ELN zu entwickeln. Im September 1965 entschied er sich, seine Taetigkeit als katholischer Priester aufzugeben und schloss sich als Guerilla der ELN an, um fortan mit Waffen gegen den Staat zu kaempfen.
Am 15. Februar 1966, in einer der ersten Aktionen der ELN gegen die kolumbianische Armee, wurde Camilo Torres getoetet. Er wurde an einem unbekannten Ort im Departament Santander begraben.
Die ELN fuerte ihren Kampf nach dem Tod Camilo Torres' weiter. Bis Ende der 90er Jahren war sie eine der einflussreichsten Guerilliagruppen in Kolumbien. Camilo Torres bleibt bis heute eines der Vorbilder fuer die Studentenbewegungen in Kolumbien.